Außenaufnahme: Eine breite, fast völlig leere Straße, die unter einer Brücke entlangläuft. Die dunkle Nacht wird von einem kugelrunden Vollmond und den Straßenlaternen erhellt.
Der Straßenrand wird links und rechts von zartrosa blühenden Kirschbäumen gesäumt. Die Stille ist bezaubernd, nur eine leichte Frühlingsbrise umschmeichelt sanft ein paar von der Müllabfuhr übersehene Kaugummipapiere und Zigarettenkippen.
Am rechten Rand bewegt sich ein italienisches Fahrzeug langsam vorwärts. Auf der Rückbank sitzt ein kuschelndes Hochzeitspäärchen, vorne sitzt niemand. Der Kofferraum ist offen, darin steht ein in einen Frack gekleideter drahtiger Mann, der das Auto mit Hilfe eines langen Stocks vorwärtsschiebt.
Gondolieri: (singt mit zartem Schmelz in der Stimme) Amore mio!
Die Mitarbeiter gehen die Straße entlang. #5 fuchtelt mit der Stadtkarte herum.
Mitarbeiter #4: (schaut sich um) Ach, ist es hier schön.
Der Gondolieri läuft grün an und fällt um.
Mitarbeiter #4: Hey, was soll das?
Mitarbeiter #3: (würgt) Würdest du bitte den Mund halten?
Mitarbeiter #4: Wieso?
Mitarbeiter #2: Sieh dich doch mal um!
Alle sehen sich um. Von dort, wo sie die Straße betreten haben bis zu dem Ort, an dem sie sich jetzt befinden, sind alle Bäume verdorrt.
Mitarbeiter #1: (mürrisch) Jetzt hast du wegen deiner Verfressenheit die ganze Romantik kaputtgemacht.
Mitarbeiter #5: Wir müssen da hoch auf diese Brücke, und dann links.
Die Mitarbeiter gehen eine Treppe hoch und gehen langsam auf der Brücke entlang. Etwa in der Mitte werden sie von einer Landmine überholt.
Alle bleiben überrascht stehen.
Die Landmine klettert über die Brückenbrüstung.
Mitarbeiter #3: Heh! Was machst du da? Komm da sofort wieder runter!
Landmine: (jammert verzweifelt) Ich kann so nicht mehr weiterleben! Ich werde dem jetzt ein Ende bereiten!
Mitarbeiter #3: (nähert sich vorsichtig) Was hat man dir denn angetan?
Landmine: (kreischt) Bleib weg! Ich springe!
Mitarbeiter #3: (bleibt stehen) Was ist denn passiert?
Landmine: (drohend) Versuchst du etwa, nett zu mir zu sein?
Mitarbeiter #3: Äh, nett? Naja, schon irgendwie.
Landmine: (schreit auf) Siehst du! Genau das ist es!
Mitarbeiter #3: Was meinst du?
Landmine: Niemand haßt mich so richtig! Niemand tritt mich!
Mitarbeiter #3: Sei doch froh. Warum sollte man dich treten?
Landmine: Weil ich eine Landmine bin! Ich wurde zu einem bestimmten Zweck geschaffen, und der besteht darin, getreten zu werden! Aber ich kann meinen Zweck nicht erfüllen!
(schluchzt) Was für ein vergeudetes Leben!
Mitarbeiter #3: Aber...
Landmine: Weißt du was *SIE* mir angetan haben? *SIE* haben mich in Bielefeld vergraben!
Mitarbeiter #3: Aber...
Landmine: Aber in Bielefeld ist niemand! Wie soll da jemand auf mich treten? (weint)
Ich werde jetzt Schluß machen mit diesem erbärmlichen Dasein!
Mitarbeiter #3: Aber...
Auf der Straße unten nähern sich zwei Lichter. Die Lichter scheinen etwas orientierungslos zu sein.
Als sie näherkommen, ist zu erkennen, daß die Lichter zu einem Scheinwerferpaar gehören, welche wiederum an einem schwäbischen Nobelwagen festgemacht sind, in dessen Inneren unter anderem ein Fahrer mit extremen Koordinationsschwierigkeiten sitzt.
Die Landmine bemerkt den Wagen und richtet sich auf. Etwas Stolz glimmt in ihrer Zündung auf.
Landmine: Und ich werde mit meinem Ableben meinen eigentlichen Zweck erfüllen.
Mitarbeiter #3: Wwwwwwas?
Landmine: Explodieren!
(singt nach einer Marschmellowdie) Gone not with a boom but a BANG!
Mitarbeiter #3: HALT! Nein! warte doch...
Landmine: (springt von der Brückenbrüstung)
Die Landmine landet direkt vor dem schwäbischen Luxuswagen und explodiert mit einem lauten Knall.
Landmine: GOTCHA!
(explodiert nochmal mit einem sehr zufrieden klingenden BANG!)
Der schwäbische Ex-Luxus-Wagen wird von den Explosionen hochgehoben und durch die Luft geschleudert. Er überschlägt sich mehrmals und landet schließlich entsetzlich zerbeult vor dem mittleren Brückenpfeiler. Diverse Autoteile fliegen durch die Luft.
Mitarbeiter #3: (fängt das Lenkrad auf und schaut es verblüfft an)
Mitarbeiter #2: Wow! Was für ein Blutbad! Davon muß ich unbedingt ein paar PIX machen!
Alle rennen zu den rauchenden Überresten des Wagens. Die vier Insassen liegen blutend in ihren Sitzen und röcheln.
#2 bemerkt einen Fotoapparat in den Händen des Bodyguards und will ihm die Kamera wegnehmen.
Bodyguard: (röchelt) Nein, tu das nicht!
(zieht verzweifelt an dem Apparat, verheddert sich dabei aber im Bodygurt)
Mitarbeiter #1: (sieht in den Wagen hinein)
Hey, das ist die Königin der Herzen!
Königin der Herzen: (röchelt) Kaiserin.
Mitarbeiter #4: (beugt sich in den Wagen)
Kaiserin? Wurde sie befördert?
Der Bärtige: (röchelt) Was ist das für ein Geruch?
(stirbt)
Bodyguard: (röchelt) Erst die Bombe und jetzt auch noch Nervengas!
(zieht verzweifelt an Fotoapparat und Bodygurt)
Mitarbeiter #4: (beleidigt) Ist doch nur Knoblauch!
Königin der Herzen: (röchelt noch einmal auf und stirbt)
Mitarbeiter #3: (schreit #4 an) Nun halt doch endlich mal den Mund!
Bodyguard: (erwürgt sich mit seinem Bodygurt)
Mitarbeiter #2: (entreißt dem sterbenden Bodyguard die Kamera und drückt auf den Auslöser)
Die Kamera explodiert in den Händen von #2.
Mitarbeiter #2: (starrt entsetzt auf seine blutenden Arme)
Mitarbeiter #5: Oh Gott, wir brauchen einen Arzt! Schnell zum Krankenhaus!
Alle zerren den schreienden #2 mit sich und verschwinden hinter der nächsten Ecke.
Von Ferne nähern sich Sirenen. Ein Polizeiwagen mit allerlei bunten Rundumleuchten nähert sich dem Unfallort und kommt quietschend vor dem Trümmerhaufen zu stehen. Aus dem Wagen entsteigt ein älterer Herr im Trenchcoat. Er begutachtet den Tatort und beugt sich schließlich über den noch lebenden Fahrer.
Derrick: (vorwurfsvoll) Harry, ich habe nicht gemeint, daß du den Wagen vor eine Brücke fahren sollst.
Fahrer: (röchelt und stirbt)