Es ist Freitag.

Freitag ist Kinotag.

Freudig bewegt begibst Du Dich ins städtische Kino.

Eine lange Schlange wartet vor dem Kino. Shit! Was läuft denn so?

Kino 1: Warzilla. Die Rückkehr des Killerwurms

Natürlich, wieder der größte Schrott in dem einzigen Saal mit Dolby Surround.

Kino 2: Letales Wappen. Teil 37.

Immer noch keine Rente für Gibs Ihm Mal und Daniel Kleeblatt.

Kino 3: Titanic

Schon in der 376. Woche!

Kino 4: Allein mit dem Grauen

Deutsche Komödie mit Katja Riemann. Geschenkt.

Kino 5: Wir haben verstanden

WOW! Der detebe-Film im Programmkino! Genial!

Mißtrauisch beäugst Du die Zweibeiner in der langen Schlange vor Dir. Naja, die sehen alle wie Kandidaten für die Sääle 1 und 2 aus. Es besteht also Hoffnung - vielleicht gibt es ja noch eine Karte. Du stellst Dich an. Langsam bewegt sich die Schlange vorwärts - die Entscheidung, ob man lieber eine Büchse Warsteiner oder doch eher Radeberger nimmt, scheint die Intelligenzressourcen der Gorillas vor Dir doch sehr zu beanspruchen, was ein wenig den Verkaufsfluß hemmt. Und noch ein Stückchen vor. Aus dem Kino kommt ein weinender, klapperdürrer Intellektueller zurück - das bahnbrechend metaphorische Regiedebüt des jungen Tadschiken Gurdse Schiladi über den Tag eines Spinnennetzes in der kasachischen Steppe läuft nun doch nicht. Und noch ein Schritt. Schließlich hast Du es geschafft. Strahlend stehst Du vor einem äußerst übellaunigen Kartenverkäufer.

"Einmal Kino fünf, bitte! Wenn möglich, in der vorletzten Reihe, etwas links von der Mitte, bitte!"

Zunächst bekommst Du aber erst mal noch keine Karten, sondern nur einen sehr mißtrauischen Blick vom Kartenverkäufer.

"Den detebe-Film..."

Nachdem Dich zwei BGS-Beamte eingehend verhört haben, sowie sich anhand Deines Fotos, der Fingerabdrücke und eines genetischen Tests aus einer Blutprobe von Dir davon überzeugt haben, daß Du doch nicht der seit Jahren international gesuchte und extrem gefährliche Terrorist Usanabe N'Lade bist, hast Du das Ziel Deiner cineastischen Träume erreicht. Du hältst die Kinokarte in den Händen, und es ist sogar das Lieblingsplätzchen! Nach dem Erwerb eines Kilo Popcorns und zweier Flaschen Altbier erklimmst Du beschwingt die Hühnerleiter zum Kino 5. Hah! der Saal ist fast leer, bis jetzt sitzt nur eine Person drin. Natürlich sitzt sie auf Deinem Lieblingsplätzchen. Du planst zunächst, die Person freundlich, aber bestimmt darauf hinzuweisen, daß er von den noch 29 freien Plätzen ja nicht ausgerechnet diesen nehmen muß. Dann betrachtest Du ihn etwas genauer. Nach einem kurzen Größenvergleich beschließt Du dann aber, den freundlichen, aber bestimmten Hinweis doch lieber selbst zu beherzigen. Du suchst Dir ein bequemes Plätzchen und läßt Dich erwartungsfroh in den Sessel sinken. Aus den Lautsprechern ertönt nervtötende Volksmusik. Na gut, es sind ja nur noch - Du schaust auf die Uhr - 5 Minuten.

Die Musik dudelt eine lange, lange Zeit. Du schaust auf die Uhr. Noch 6 Minuten! Du hast das dumpfe Gefühl, daß Einstein irgendein fundamentales physikalisches Gesetz übersehen hat. Aber auch die größte Folter findet einmal ein Ende. Monika Herz verstummt mitten im hohen C, und langsam geht das Licht aus. Jetzt kommt erst mal der Werbeblock.

WerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbung
erbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungW
rbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWe
bungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWer
ungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerb
ngWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbu
gWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbun
WerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbung
erbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungW
rbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWe
bungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWer
ungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerb
ngWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbu
gWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbun
WerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbung
erbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungW
rbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWe
bungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWer
ungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerb
ngWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbu
gWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbun
WerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbungWerbung

Das Licht geht wieder an. Die Lautsprecher setzen noch einmal zu einer kurzen, aber schmerzhaften Folter an. Ein müder Mensch steckt seinen Kopf durch die Tür, aber da er nicht wirklich den Eindruck macht, als wollte er tatsächlich ein Eis verkaufen, traust Du Dich nicht, ihn anzusprechen. Der Kopf verschwindet, Monika Herz verstummt in einem verunglückten Fis und das Licht geht langsam aus.

Und nun geht es endlich los!

© Maharani, Dezember 1998